Natur, Kultur und Kulinarisches:
Rupit i Pruit – bei den Katalanen

Der Dichter und Schriftsteller Josep Maria de Sagarra i de Castellarnau gilt als einer der bekanntesten katalanischen Autoren des 20. Jahrhunderts. Er liebte “sein Katalonien” und schreibt über das Pyrenäendorf Rupit (Eingangsfoto) folgendes:

 

Rupit ist ein reizvolles Dörfchen und liegt inmitten der Buchenhaine des Tales Collsacabra. Es handelt sich dabei um einen jener versteckten Winkel, die in zwanzig Jahren vielleicht schon ihren ursprünglichen Charakter verloren haben werden. Heute jedoch ist das traditionelle Erscheinungsbild noch erhalten und entzückt den Besucher mit seinen malerischen Schindeldächern, den Holzbalkonen, den steilen Gassen und den verschlafenen alten Häusern. An einigen davon sind noch gotische Fenster zu sehen, die meisten Gebäude stammen jedoch aus der Barockzeit des siebzehnten Jahrhunderts, der Zeit der Verehrung der Heiligen, der tränenreichen Muttergottesfiguren, der Liebeslieder und der Wegelagerer, wie die berühmten Bandoleros l’Hereu Riera, d’En Serrallonga und Perot el Lladre, die hier ihr Unwesen trieben. Die katalanische Kultur des siebzehnten Jahrhunderts war von der Verehrung des Heldentums und von tiefer Empfindsamkeit geprägt, die sich in unseren Volksliedern und Legenden niedergeschlagen haben. Das Dorf Rupit repräsentiert all das. Es ist ein Stück lebendig gebliebene Geschichte, ein bescheidener versteckter Winkel aus dem katalanischen siebzehnten Jahrhundert …”

(Alle Fotos können durch Anklicken vergrößert werden!)

Die Kapelle St. Magdalena stammt aus dem 17. Jh.;
sie steht auf einem Berg oberhalb der Krümmung des Wildbaches von Rupit.

Es war heiß am 2. Juni 2017, als ich mich um die Mittagszeit – von Rupit aus – auf den Weg hinauf zur Magdalenenkapelle machte. Der Aufstieg, der durch den schattigen Wald führte, war nicht anstrengend. Aber es gab jede Menge “Stolpersteine”, und weil ringsum aus allen Löchern und Ritzen Wasser gurgelte, waren die Steine bemoost und rutschig. Als ich dann endlich oben ankam, war ich enttäuscht: Das Eingangstor war zu. Schade!
Aber pst! Aufgeben ist nicht mein Ding. Ich hielt mal kurz meine Kamera ans Schlüsselloch:
(s. Foto unten)

Version 2

Beim Erkundungsgang durch Rupit i Pruit muss man die Augen unbedingt offenhalten, den hier gibt es viel Eigenartiges zu entdecken!
(Pruit besteht übrigens nur aus mehreren Bauernhäusern, die über das gesamte Gemeindegebiet verstreut sind. Unter diesen Bauernhäusern befindet sich auch die Kirche Sant Andreu, s. Foto Kirchturm unten.)

Kommen Sie mit mir auf Entdeckungsreise!
(Fotos bitte anklicken!)

Schöne Ein- und Ausblicke!

Malerische Treppengassen,
geheimnisvolle Inschriften,
Tatzenkreuze über den Türen,
Sonnenräder und
archaische Pyrenäen-Madonnen …

(Turm der Kirche St. André, Pruit)

(Die Schwarze Madonna von Pruit)

Ganz besonders spannend fand ich die Überquerung des Wildbachs mittels einer Hängebrücke, die den zweigeteilten Pyrenäenort Rupit verbindet!

Ein weiterer magischer Ort in der Nähe von Rupit!

In der Umgebung von Rupit i Pruit kann man viele interessante Zeugnisse der romanischen Kunst entdecken – wie etwa die ehemalige Eremitage Sant Joan de Fàbregues.
Ein Besuch ist absolut empfehlenswert!

(Sant Joan de Fàbregues  – ein magischer Ort!)

(Die Rückseite der Kapelle)

Sant Joan de Fàbregues, sehr einsam gelegen, aber mit einem herrlichen Ausblick auf das Gebirgsmassiv der Guilleries, war die ehemalige Pfarrkirche von Rupit, bis 1955 als San Juan bekannt, seit 968 als Eremitage dokumentiert.

Rupit i Pruit und San Joan de Fàbregues liegen in der sog. Garrotxa eine wilde Naturlandschaft mit tiefen Buchenwäldern. Dort stößt man nicht selten auf Vulkankegel und Lavahänge.
Das nachstehende Foto einer solchen Lavazunge entstand in der unmittelbaren Nähe von San Joan de Fàbregues.

Kulinarisches zum Schluss:
Lassen Sie es sich nicht entgehen, ein paar Leckerbissen mit nach Hause zu nehmen (oder auch vor Ort zu kosten): z.B. das Fladengebäck “Coca de Pa” oder den berühmten “Ratafia” (Kräuterlikör aus grünen Walnüssen und Gewürzen). Auch der besonders aromatische Bienenhonig aus den Pyrenäen ist zu empfehlen – und nicht zuletzt  die traditionellen Würste, “Bulls” genannt.

Vielen Dank für Ihr Interesse!

“Unterm silbernen Wasserfall” –
Sant Miquel del Fai

Die größte Troglodytenkirche des Landes
(Troglodyten=Höhlenbewohner)

Sant Miquel del Fai ist ein Benediktinerkloster in Bigues i Riells, Katalonien, Spanien. Das Kloster liegt malerisch in einem Naturschutzgebiet, umgeben von grau-rosa Felsklippen, Cingles de Bertí genannt. Im Jahr 1988 wurde Sant Miguel del Fai zum Kulturdenkmal erklärt.
Die Kirche aus dem 11. Jh. wurde in einer Höhle erbaut, der Stein selbst diente als Dach. Es ist die größte Troglodytenkirche des Landes, besitzt ein romanisches Portal, das durch einen halbkreisförmigen Bogen gebildet wird. Vom Hochaltar gibt es nur Überreste. Eine kleine Krypta wird über eine Treppe in der Nähe des Eingangs erreicht. Auf dem Boden der Kirche befinden sich Grabsteine ​​der alten Äbte.

Zur Geschichte: Im Jahre 997 kaufte Gombau de Besora, Herr der Burg von Montbui, den Grund und Boden für das geplante Kloster. Das genaue Gründungsdatum des Klosters ist unbekannt, aber im Jahre 1006 gab es eine erste Gemeinschaft von Brüdern, deren Abt Guillemund hieß. Sowohl die Grafen von Barcelona als auch Gombau selbst haben dem Kloster wichtige Güter geschenkt.
Die in San Miguel lebende Gemeinde war immer klein; es lebten hier nie mehr als fünf oder sechs Mönche. Nach dem 14. Jh. gab es sogar nur noch drei Mönche. Das religiöse Leben in del Fai endete im Jahre 1567, als es in Abhängigkeit von der Diözese von Gerona geriet. Das alte Kloster wurde in ein Heiligtum verwandelt, zu dem die Leute vor allem aus den Nachbarortschaften pilgerten. Religiöse Verrichtungen wurden bis 1936 aufrechterhalten.

Nach San Miguel del Fai gelangt man entweder direkt mit dem Auto oder zu Fuß durch eine kurzweilige Bergwanderung von Riells del Fai aus.
Die Bergwanderung dauert ca. eine Stunde. Die spektakuläre Landschaft entschädigt für alle Strapazen. Das Frühjahr ist übrigens die beste Zeit für eine Besichtigung dieses Klosters, auch weil der Wasserfall – der Fußweg führt hinter ihm hindurch! – dann mehr Wasser führt. 

Trotz des eher kleinen Klosters erhielt Sant Miquel del Fal große Spenden. Im Diözesanmuseum von Barcelona ist ein romanisches Kreuz aus geprägtem Silber konserviert (siehe Foto unten, Replik) – ein einzigartiges Werk der romanischen Goldschmiedekunst aus San Miguel. Im örtlichen Museum, im Klosterbereich, sind auch Grabsteine, Sarkophage und andere Geräte zu besichtigen, die den Reichtum zeigen, den dieses Kloster einst besaß.

Zum Reinschnuppern einige Fotos aus dem Klosterbereich:

Die Kirche hat ein romanisches Portal, das durch einen Rundbogen gebildet ist. Ein Säulenpaar wird mit Kapitellen mit Pflanzenmotiven verziert. Vom Hochaltar sind nur noch wenige Spuren erhalten. Es gibt eine kleine Krypta, die über eine Treppe in der Nähe des Eingangs zugänglich ist. Auf dem Boden der Kirche sind die Grabsteine der alten Äbte zu sehen.

(Alle Fotos können durch Anklicken vergrößert werden!)

Die Madonna und der Vogelfuß

Die Madonna del Fai ist eine der seltenen Madonnen, bei denen das Jesuskind einen Vogel in der Hand hält. Sie ist frühgotisch. Was den Vogel betrifft, so erinnert dieser an das apokryphe Kindheitsevangelium (Thomasevangelium): Nach diesem Bericht soll Jesus als Fünfjähriger am Schabbat zwölf Spatzen aus Lehm geformt und sie dann zum Leben erweckt haben. Am Schabbat, an dem jegliche Arbeit verboten war! Jesus hat sich also über die Bräuche des Judentums hinweggesetzt. (s. auch meinen Artikel “Fort mit euch – Die Vögel im verbotenen Evangelium”)

(Alle Fotos können durch Anklicken vergrößert werden!)

Die Madonna von Fai – aber auch der große Wasserfall,
die Einsiedelei und mehrere Höhlen – sind die Highlights
dieses mystischen Ortes:

“Wir sahen Schmetterlinge,
wir standen unterm silbernen Wasserfall,
wir sahen alles,
wir hielten die Muschel ans Ohr,
wir hörten das Meer,
wir hatten einfach Zeit.”

(Max Frisch, Schriftsteller)

Wer interessante Entdeckungen machen will, aber auch wer Zeit hat, Ruhe und Erholung sucht, ist in Sant Miquel del Fai gut aufgehoben!

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Die Maurenburg von Catalayud

Aragón ist das Burgund Spaniens …
schrieb ich eingangs in meinem Beitrag zu Spanien. Und tatsächlich stieß ich nicht nur in Zaragoza, sondern auch in Catalayud auf buntglasierte Kirchtürme. Aber auch die Schwarzen Jungfrauen sind hier vertreten. Eine von ihnen – La Morena genannt – befindet sich in der Kollegialkirche Colegiata Virgen de la Peña von Catalayud. Sie gilt als Patronin der Stadt.

Blick auf Catalayud

Catalayud – ehemalige Maurensiedlung unterhalb der Burg

Keltiberer – Römer – Westgoten

Die ersten Einwohner der Gegend um Catalayud waren Keltiberer (die Lusones), die mit den Römern zusammenarbeiteten.
Unter Augustus erhielt die Ansiedlung den Rang eines Municipium, genannt Augusta Bilbilis. Unter Tiberius wurden öffentliche Bauten wie Tempel und Forum errichtet. Später wurde die römische Stadt wieder verlassen. In der westgotischen Epoche gab es nur noch kleine Ansiedlungen in der Nähe der alten Römerstadt.

Dann kamen die Mauren

Im 8. Jahrhundert errichteten die Mauren in der Nähe des römischen Bilbilis eine große Festung. Man nannte sie Burg des Ajub, benannt nach einem hochrangigen Adligen. Sie gibt Catalayud noch heute ihren Namen.
Die Stadt gehörte bis zum Jahr 929 zur Obermark des Emirats, bzw. Kalifats von Córdoba.
Bemerkenswert: Auf der Iberischen Halbinsel existierten wie selbstverständlich Christen, Muslime und Juden nebeneinander. So gab es auch in Catalayud eine Moreria (Maurenviertel) und eine Judéria (Judenviertel).

Das Castillo Mayor o de Ayub

wurde vom 9. bis 10. Jahrhundert erbaut.
Zu dieser Zeit war Catalayud eine der wichtigsten Städte im muslimischen Spanien und während der Taifa Ära wurde es für kurze Zeit die Hauptstadt.

(Fotos anklicken u. vergrößern!)

Interessanter Hufeisenbogen des Kalifattyps

Bereits 1031 war Calatayud eine der wichtigsten Städte des Taifa-Königreichs von Zaragoza, eine Epoche von großer wirtschaftlicher und kultureller Pracht, die bis etwa 1110 andauern sollte.

Die Reconquista – die Rückeroberung
Im Verlauf des 9. bis 11. Jahrhunderts erlangten die christlichen Königreiche allmählich wieder die Herrschaft über weite Teile der Iberischen Halbinsel. Im Jahr 1110 versuchten die Almoraviden den Vormarsch der Rückeroberung einzudämmen …

Aber es gelang ihnen nicht. Im Jahr 1120 – zwei Jahre nach der Einnahme von Zaragoza – ergab sich auch das unter maurischer Herrschaft stehende Catalayud.

Bemerkenswert die Türme

Die prachtvolle Maurenburg von Catalayud steht auf einer Mergel- und Gipsplattform. Das Herausragendste sind die hohen Mauern, die Zugangstreppen (früher befanden sich hier zwei Zugbrücken) und die Türme – vor allem der halboktogonale Turm besticht durch seine Höhe.

Atemberaubender Blick auf die umliegenden Berge

Vielen Dank für Ihr Interesse!

Estella – auf dem alten Sternenweg nach Compostela

Ich hatte bei Ean Begg gelesen, dass sich in der Real Basilica von Estella (Provinz Navarra) eine polychrome (mehrfarbige) Holzstatue aus dem 8. Jahrhundert (vermutlich eher 12. Jh.?) befinden soll, die rundum versilbert ist: Pilger aus ganz Europa hätten sie auf ihrem Weg nach Santiago de Compostela aufgesucht.
Das hat mich neugierig gemacht!

Ursprünglich war Estella eine römische Siedlung. Im 11. Jahrhundert gründete König Sancho Ramirez nach dem Erscheinen eines Sternenzeichens die Stadt. Dabei stellte er sicher, dass ein Pilgerweg (damals noch der “Alte Sternenweg”) durch Estella führte.
Heute liegt Estella (baskisch Lizarra) am Camino Francès. Die Kleinstadt ist berühmt für ihre alten Kirchen, Paläste und Klöster, weshalb sie auch das “Toledo des Nordens” genannt wird.
Beide Namen, Estella und Lizarra, bedeuten Stern und werden amtlich benutzt.

No se ve Estella hasta llegar a ella …

In einem spanischen Sprichwort heißt es, dass man Estella seiner Berge wegen erst dann sieht, wenn man schon dort ist:  Der Bergring, der Estella umgibt, schützt die Stadt vor kalten Winden und ist damit für Estellas mildes Klima verantwortlich.

Foto links: Auf dem Weg zur RealBasilica – eine Säulenmadonna

Und wohin man auch sah: Sterne, Sterne, Sterne
(Eingangstür der RealBasilika von Estella)

Der Alte Sternenweg – kurzer Romanauszug aus “Talmi”:
… Als es um den Ausspruch “Das Siegel der Meister ist der Stern” ging, kam Sabot auf die alten Initiationswege zu sprechen: “Zu diesen Wegen zählte auch der sogenannte Sternenweg in Richtung Santiago de Compostela. Aber Achtung: Er ist nicht deckungsgleich mit dem heute bekannten Jakobsweg. Wobei sich mir der Verdacht aufdrängt” – Sabot schmunzelte -, “dass man den Pilgerstrom absichtlich vom alten Weg fernhält.”

“Und weshalb?”, fragte Maury.
“Nun, der Sternenweg hat offenbar mit dem Christentum nur wenig gemein. Leider weiß man heute den Grund nicht mehr, weshalb Menschen in grauer Vorzeit ihn beschritten haben. Das Wissen ging verloren … Es gab übrigens noch andere Wege”, sagte er. “Einer ging von England aus und ein weiterer von Sainte-Odile im Elsaß. Alle Wege führten durch Gegenden, die von Megalithen und Dolmen bedeckt sind. Die Steine verbinden gewissermaßen die heiligen Orte … Bleiben wir beim Sternenweg. Historiker vermuten, er gehörte ursprünglich zu einem riesigen Labyrinth, das sich über die gesamte Pyrenäengegend spannte – eine Art Initiationssystem …”

Real Basílica de Nuestra Señora de El Puy
Im Inneren eine freundlich lächelnde Jungfrau mit Kind und Krone, auf einem Schemel sitzend (s. Foto unten). In ihrer Hand ein blühender Dornzweig, unter ihren Füßen eine große Mondsichel.  Die in Estella verehrte Madonna (vermutlich eine ihrer Vorgängerinnen) wurde im Jahr 1085 in einer Höhle gefunden, nach der Marienerscheinung einiger Hirten. “Mondsichelmadonnen” gibt es viele. Aber was hat es mit ihnen auf sich? Eine Spur führt geradewegs zur Apokalypse – zur Offenbarung des Johannes:

„Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen. Ein anderes Zeichen erschien am Himmel: ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war. Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der über alle Völker mit eisernem Zepter herrschen wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. (Offb, 12,1–5)

Aber eigentlich begann alles noch viel früher:

Barbara G. Walker schreibt in ihrem Lexikon “Das Geheime Wissen der Frauen” folgendes:

“Ägyptische Inschriften verkünden:
´Am Anfang war Isis, die Älteste der Alten.
Sie war die Göttin, aus der alles Werden wuchs.
Als Schöpfergöttin gebar sie den Sonnenstern,
als er das erste Mal über der Erde aufging`.

 

Das Christentum übernahm also die Sterne. Das sog. “Mondschiff” der Isis jedoch – ihre Barke, die sie so stolz auf dem Kopf trug – tritt die Mutter Gottes heute mit Füßen!

Vielleicht als Zeichen des Sieges über ihre heidnische Vorgängerin?

Fest steht, dass Isis und ihr Sonnenstern vom Christentum weniger verdrängt als erfolgreich absorbiert wurde …

(s.a. mein Artikel “Die Freundinnen der Frauen – Schwarz bin ich, aber schön …)

(Fotos bitte durch Anklicken vergrößern!)

Das Kircheninnere ist gotisch – und wie ein einziger Stern konzipiert!
*

(Foto links – eine Kopie der der Nostra Seniora del Puy)

Vielen Dank für Ihr Interesse!

Helene L. Köppel

Ein Kultplatz aus alter Zeit – Santuari de la Mare de Déu del Far

Eine Zufallsentdeckung im September 2015

Wir befinden uns in Katalonien, in einer schwer zugänglichen Gegend zwischen den Regionen Garrotxa und La Selva, und zwar im Gemeindebezirk Susqueda, wo sich das Heiligtum de la Mare de Déu del Far befindet. (Mare de Déu = Mutter Gottes, Far = Licht, Leuchtturm)
Dieser verschwiegene Ort liegt oberhalb einer Steilklippe, etwa
elfhundert Meter über dem Meeresspiegel. Die Landzunge selbst ragt wie ein Schiffsbug in die Landschaft. Vom Mirador aus erwartet den Besucher eine atemberaubende Rundumsicht auf Wälder, Wasserfälle, Tafelberge, Vulkane – sowie auf die schimmernden Susqueda Wasserreservoirs.

(Blick von der Aussichtsplattform auf die Umgebung. Alle Fotos können durch Anklicken vergrößert werden!)

Die Kapelle del Far

ist von außen eher unspektakulär. Das ursprüngliche Gebäude aus dem Jahr 1269 wurde durch ein Erdbeben zerstört. Der Neubau – ein rechteckiges Schiff mit Gewölben erinnert an eine steinerne Grotte. Es bildet einen Komplex mit einem weiteren Gebäude – dem Haus eines ehemaligen Eremiten.

Mare de Déu del Far

Verehrt wird hier eine ganz besondere Madonna: Der Korpus ist aus Alabaster gefertigt, eine Gipsart, weicher als Marmor, die hier überall abgebaut wird. Auch die Romanischen Madonnen, die im Episkopal-Museum von Vic stehen, sind teilweise aus Alabaster. Die Far-Madonna stammt angeblich aus dem 11. Jahrhundert. (Ich selbst hätte sie im 13. Jh. verortet.) Sie wurde im Jahr 1922 restauriert und farbig bemalt.

(Foto rechts – die Alabaster-Madonna aus dem 11. Jh.
Foto unten eine Votivgabe)

 

Neugierde siegt

Meine langjährige Gewohnheit, bestimmte Kirchen mindestens in einer Richtung fußläufig zu umrunden, hat sich auch hier ausgezahlt: Ich saß bereits im Auto, weil es regnete, als mein Blick auf eine Art “Hain” fiel. Ich stieg wieder aus und betrachtete mir die Sache näher. Dabei entdeckte ich das ursprüngliche Santuarium del Far, das in keinem mir vorliegenden Reiseführer Erwähnung fand. Der steinreiche Kultplatz ist heute ein Ort der Stille und Einkehr …

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(Foto durch Anklicken vergrößern!)

Ein Hain, ein altes Quellheiligtum …

In alter Zeit waren Heilige Haine bestimmten Göttern oder auch Nymphen geweiht. Sie lagen stets im Schatten, im Schutz von Bäumen und Sträuchern, und dienten der Opferung und dem Gebet.
Über einen Heiligen Hain der Kelten in der Nähe von Marseille schreibt u.a. Annaeus Lucanus (39-65 n. Chr.), ein Neffe von Seneca d.J., in seinem Epos Pharsalia
(Caesar hatte den Befehl gegeben, den Hain abzuholzen, um Stämme für das Belagerungsgerät von Marseille zu bekommen):

“Ein Hain in der Nähe war seit Menschengedenken nicht mehr angetastet worden. Seine verschlungenen Äste umfingen und verdunkelten den Luftraum und spendeten kühlen Schatten, denn die Sonnenstrahlen wurden hoch oben abgeschirmt. Hier werden Götter mit barbarischen Riten verehrt; auf den Altären schichtet man schauerliche Opfergaben auf, und jeder Baum ist schon von Menschenblut bespritzt. Hier fürchten sich die Vögel zu sitzen und die wilden Tiere zu lagern. Weder der Wind noch die aus schwarzen Wolken geschleuderten Blitze trafen je diesen Wald, und obwohl die Blätter keinem Lufthauch ausgesetzt sind, zittern die Bäume von innen her. Es fließt auch viel Wasser aus dunklen Quellen, und düstere, kunstlos geschnitzte Götterstatuen ragen unförmig aus den Strünken …”

 

Wem wurden hier Opfer dargebracht? Der Göttin Isis?

Dass es sich einst um eine heidnische Stätte, einen Kultplatz, gehandelt hat, beweist auch die kleine uralte Figur hinter den Gitterstäben. Auffällig die hohe Krone und der ungewöhnliche – an ein Mieder oder gar an ein Musikinstrument erinnernde – Gegenstand unterhalb der rechten Brust. Auch diese Figurine ist aus Alabaster gefertigt. Möglicherweise handelt es sich bei ihr um die Vorgängerin der Madonna aus dem 11. Jahrhundert, die in der Kirche von Far verehrt wird. So zierlich und aufrecht stehend, mit dem auffälligen “Thronsitz” auf dem Kopf, könnte es sich um eine “Isis lactans” gehandelt haben, die dem Horusknaben die Brust reicht, ihm göttliche Stärke einflößt. Der Isis-Kult war in späthellenistischer bis nachchristlicher Zeit weit verbreitet. Erst vier Jahrhunderte später verwandelte sich Isis stillschweigend in “Maria mit dem Jesuskind”, wobei man Maria mitunter mit dem Mondschiff der Isis unter den Füßen darstellte, z.B. in Paris, Notre Dame.
(s. auch meinen Artikel “Schwarz bin ich, aber schön”)

Oder gar Kybele?

Als ich mir den wasserspeienden Löwen näher betrachtete, kam mir spontan die Göttin Kybele in den Sinn, deren Attribut der Löwe ist. Kybele war eine Magna Mata, eine universelle Göttermutter aus Phrygien, eine Berg- und Naturgöttin, in vielen Ländern und Städten beheimatet – z.B. in Madrid (Kybele-Brunnen) oder in der Stadt Lyon, wo ein bedeutender Kybele-Tempel stand, der stolze 86 auf 53 Meter maß. Verehrt wurde diese Göttin unter vielen Namen, auch unter “Artemis”.
Die Kirchenväter der “neuen Lehre” hassten Kybele: Der Heilige Augustinus nannte sie eine “Hurenmutter”, “die Mutter nicht der Götter sondern der Dämonen”. Doch der alte Kult trotzte dem Christentum: Im 2. Jh. n. Chr. gründete Montanus, ein Kybele-Priester, eine neue Sekte. Er gesellte Kybele den Knaben Attis zu, (ein Pendant für Jesus) und behauptete, dass Frauen, die in Kybeles Dienst standen, predigen und weissagen durften wie die Männer. Das konnte sich das christliche Patriarchat nicht bieten lassen! Im Jahr 380 erklärten die römischen Kaiser Theodosius I., Gratian und Valentinian II. das Christentum zur Staatsreligion – doch der weströmische Kaiser Eugenius (392-394) setzte weiterhin heidnische Senatoren ein, die die Magna Mater verehrten. Gleichwohl wurden die Anhängerinnen des Montanus zu Ketzerinnen erklärt und umgebracht, indem man sie in ihren Kirchen einschloss und sie bei lebendigen Leibe verbrannte. Im Jahr 431 versetzte man der Magna Mata endgültig den Todesstoß: Auf dem Konzil zu Ephesos wurde Maria zur Mutter Gottes (Theotokos – Gottesgebärerin) erklärt.

 

Und wie verhielt es sich jetzt mit der alten Quellgöttin von Far? Ich vermute, sie war einst keine Isis, auch keine Magna Mata, sondern “nur” eine kleine Bona Dea – eine von den Einheimischen verehrte Muttergöttin des Lichts! 🙂

Noch zwei kleine Hinweise:
Die Straßen in den Katalanischen Pyrenäen sind meist in einem sehr guten Zustand.
Hinter der Kirche del Far befindet sich ein Restaurant:

Adresse: Santuari El Far
Carretera del Santuari del Far S/N
17176 SANT ESTEVE D’EN BAS (SUSQUEDA)
Tel: 972190169
//www.santuaridelfar.com/santuari-de-la-mare-de-deu-del-far.aspx

Lost in Time – in Castellfollit de la Roca

Castellfollit de la Roca ist eine katalanische Gemeinde in der Provinz Girona im Nordosten Spaniens. Der Ort mit ca. 1000 Einwohnern liegt malerisch auf einem mehr als fünfzig Meter hohen Basaltmassiv, umgeben von den Flüssen Fluviá und Toronell und eingebettet in den einzigartigen Naturpark der Vulkanlandschaft von La Garrotxa. Die in engen, schattigen Gassen liegenden Häuser der Altstadt sind traditionell aus Vulkangestein erbaut.

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(Die Fotos können zum Vergrößern angeklickt werden)

Die Kirche San Salvador aus dem 13. Jahrhundert wurde möglicherweise von den Tempelrittern gebaut. Sie ist heute gänzlich ausgeräumt und dient als Museum. Von der davorliegenden Plaza Josep Pla, aber vor allem vom Turmfenster der Kirche aus (man darf hinaufsteigen!) bietet sich dem Besucher eine atemberaubende Rundumsicht auf die Garroxta …

Links unten – ein schönes Tatzenkreuz der Templer, rechts eines der vielen Häuser, die aus Vulkangestein erbaut wurden …

Verschlafene Gässchen in der Morgenruhe …

eine Heilige Barbara mit dem Turm …

… und im Museum ein Riese.

Der “Riesenkult” in Katalonien hat verschiedene Ursachen. In Olot, einer einer benachbarten Stadt – bekannt für ihren farbenprächtigen Umzug der Giganten -, hat man auf dem erloschenen Vulkan einen exorbitanten Fußabdruck entdeckt – den sog. Petjade del Gegant.
In meinem Thriller “SALAMANDRA” nehme ich Bezug auf die katalanische Tradition der Riesen:

“… Begonnen hatte der Hype aber bereits mit den ersten Fronleichnamszügen im 14. Jahrhundert. Schon damals war der gläserne Sarg mit der Christusfigur von einer Schar Symbolgestalten begleitet gewesen, teils mit biblischem Bezug, teils mit Anleihen aus örtlichen und heidnischen Legenden – worunter wohl auch der ´Kopf des Fliegenfängers` fiel, von dem Bernadette im Internet gelesen hatte …”

 

LOST IN TIME?
Als ich im Herbst 2014 Castellfollit de la Roca besuchte, war tatsächlich nichts los im Ort. Es langweilten sich selbst die Hunde … 🙂
Aber ich bin ehrlich: Mir gefiel das.

Eine kleine Tourist-Info zu den Preisen im spanischen Teil Kataloniens:

Eine Cornetto-Eistüte und eine große Flasche Mineralwasser in einem Tante-Emma-Laden kosteten in Castellfollit de la Roca zusammen 1.25 Euro! Da kann man nicht meckern!
Noch etwas: Auch die örtlichen Bäckereien sind nicht zu verachten! Lecker, lecker! 🙂

 

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Helene Köppel